Bericht vom 7. Jazz uf em Strich (2015)

Es war nicht das 'verflixte siebte Mal', sondern - wie in der Ankündigung vermutet - eine ganz besondere Ausgabe des Festivals 'Jazz uf em Strich'. Stefan Zemp (Bild unten) konnte zum siebten Mal bei besten Wetterverhältnissen das Festival eröffnen und dabei feststellen, dass sich der Andrang des Publikums auf den Strichcode (Begegnungszone Sissach) rasch steigerte.
Es mag sein, dass das schöne Wetter seinen Beitrag dazu geleistet hatte, letztlich war aber wohl die Ankündigung von Ira May und der Band ausschlaggebend dafür, dass am Ende der Platz um die Bühne gerammelt voll war. Doch soll hier nichts vorweggenommen werden, denn auch der Auftritt der ersten Band war bereits etwas Besonderes. Mike Maurer (Bild unten) und seine 'Alphorn Experience' eröffneten das Festival musikalisch erst einmal 'nur' mit Alphörnern.

Es war eine angenehme Überraschung. Die vier Musiker, Mike Maurer, Sami Lörtscher, Christian Schmitter und Heinz Mäder konnten beweisen, dass das Alphorn auch ausserhalb des folkloristischen Einsatzes seine Berechtigung hat. Es ist kaum zu glauben, so man es nicht selbst gehört hat, was sie diesem Instrument alles entlocken, fesselnd virtuos und einfach nur schön anzuhören.
Kein Problem für die Band bei dieser Gelegenheit zu zeigen, dass man mit dem Alphorn auch schnellen Rhythmen folgen kann. Dazu holten sie sich den Schlagzeuger Peter Horisberger (Bild unten) auf den Platz und schon boten sie fetzig mitreissenden Jazz, der Jung und Alt ins Staunen versetzte. Eine tolle Einlage, die beim Publikum unüberhörbar ankam.
Wohl denen, die früh genug zum Festival gekommen waren und es sich auf einem Sitzplatz bequem gemacht hatten. Doch egal, ob bei einem Glas Wein und einem feinen Essen, ob mit der Flasche Bier in der einen und der Bratwurst in der anderen Hand, dass wir bei dieser herrlichen Open Air-Atmosphäre so nah und so schön Jazz geniessen können, ist allemal ein kultureller Höhepunkt im Jahr

Als die Sonne schon tief stand, traf noch immer Publikum auf dem Platz ein. Das Interesse war gross. Dies zeigte sich auch auf der erst kürzlich erstellten Homepage des Festivals. Allein in der Woche, in welchem das Festival stattfand, schnellten die Zugriffe gleich um knapp tausend in die Höhe.
Egal ob Sitz- oder Stehplatz, die Stimmung im Publikum war grossartig. Auf dem Programm standen nun 'Al P. Horn and the Funk Preachers'. Mike Maurer (Al P. Horn) durfte gleich noch einmal mit einer anderen Formation auftreten. Mit dabei auch diesmal das Alphorn, das weit aus der Bühne herausragte. Mike Maurer und Sami Lörtscher blieben den Beweis nicht schuldig, dass sich das Instrument auch im Funk in hervorragender Weise einsetzen lässt.
Zu Beginn aber durften erst einmal die Musiker Matt Stocker (Gitarre), Robi Maurer (Piano), Jürg Bukhart (Saxophon), Timmy Lalvani (Bass) und Peter Horisberger (Schlagzeug), das Publikum auf Funk einstimmen, bevor Al P. Horn wie ein Agent mit dem Koffer auf die Bühne trat, das Mundstück auf das Alphorn setzte und das lange Instrument in erklingen liess.
'I've got an Alphorn' liess er uns im nächsten Titel wissen und zeigte eindrücklich auf, dass man mit dem Alphorn auch beim schnellen Funk mithalten kann (wenn man es denn so beherrscht wie er). Er griff zwischendurch aber auch zur Posaune und zur Trompete. Kam keines dieser Instrumente zum Einsatz, dann sang er. Ein polyvalenter Künstler! Ihm und den Musikern der Alphorn Experience ist es gelungen, dem nationalen Wahrzeichen ein erfrischendes musikalisches Make up zu verpassen.
Leider habe ich nicht alles mitbekommen, was 'Al P. Horn and the Funk Preachers' zu bieten hatten, denn ich musste zwischendurch nach Hause eilen, um den Reserve Akku für die Videokamera zu holen. Doch ich war rechtzeitig wieder da, um die Solos der Band aufzuzeichnen, die du im YouTube-Video (siehe Link am Ende des Berichtes) nachhören kannst.
Ich war also wieder da, der volle Reserve Akku auch und nun war vor allem sie da: Ira May (Bild unten mit Stefan Zemp). Ehrlich gesagt: Ich hatte Schweissausbrüche, als ich feststellte, dass der Akku zu Hause geblieben war und ich damit ihren Auftritt verpassen könnte. Doch die Strassen waren leer (weil wohl das gesamte Oberbaselbiet am Festival war) und ich kam gut voran, sodass ich mit ihrem Auftauchen auch wieder auf dem Platz war.
Als sie und die Band mit 'Mr Right' durchstarteten, wähnte ich mich vor einer Weltbühne. Nicht die Grösse der Bühne, aber die künstlerische Grösse der Sängerin verschaffte mir diesen Eindruck. 'Jazz uf em Strich 2015' war auf dem Höhepunkt. Ira May, die gerade zwei Wochen vor dem Festival mit dem Prix Walo (Kategorie Newcomer) ausgezeichnet worden war, sang nun auf der Bühne ihres Wohnortes und vor heimischem Publikum. Ein grosser Moment und sicher auch ein Höhepunkt in der Geschichte des Festivals.
Im Titel 'Bigger Plan' singt sie: 'The soul came out of every cell of my body' und genau das durften wir nun live erleben. Was das Publikum da zu hören bekam, war grossartig und der Auftritt souverän. Der Titel 'Bigger Plan', live präsentiert, war ein musikalisches Feuerwerk auf der kleinen Bühne. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, das Ira und die Band es sehr gut miteinander können und im Auftritt eine gemeinsame Leidenschaft ausleben.

Seidenweich gestalteten Ira und die Band den Übergang zu 'Love me' (the way I am). Beim Nachbearbeiten der Videoaufnahmen für den Konzertmitschnitt brachte ich es nicht übers Herz an diesem Titel herumzuschnipseln. Es wäre eine Todsünde und unverzeihlich. So wunderbar vorgetragen und so repräsentativ für ihre Stimme, muss man sich den Song vom Beginn bis zum Ende auf der Trommelfell zergehen lassen und erhält so als Draufgabe auch noch das Gitarrensolo von Chris.
Schon fast andächtiges Zuhören war an dieser Stelle der Ausdruck von Respekt (Bild unten) und die Gänsehaut trotz Tropennacht wohl kaum zu verhindern. Eine klasse Leistung und ein Genuss für die Freunde des Jazz. Mit Standing Ovations wurden Ira und die Band am Ende verabschiedet. Sissach hatte einen unvergesslichen Jazz-Abend erlebt.
Bei diesen Highlights bedaure ich es manchmal sehr, dass ein Teil meiner Aufmerksamkeit immer den Aufnahmegeräten gehört. Doch wenn ich am Ende ein solches Lächeln wie im Bild unten einfangen darf, dann ist das im gleichen Moment wieder vergessen. Good luck for your bigger plan!





LINKS:

Fotoalbum 'Jazz uf em Strich 2015'

Video-Ausschnitte 'Jazz uf em Strich 2015'

Iris Bösiger, Ira May, Live-Konzert, Jazz uf em Strich, die Soulstimme der Schweiz